Hier könnte auch Deine Geschichte stehen, bitte schreib sie uns!

Tilli:

Wenn man mich sieht, sieht man eine Frau, die ihr Leben nicht im Griff hat. Ich habe vier Kinder. Der Jüngste ist von meinem jetzigen Mann. Unser Haus sieht unordentlich aus. Ich schaffe es einfach nicht aufzuräumen. Ich liebe meine Kinder, aber es fällt mir schwer mich um sie zu kümmern. Sie machen mir viele Sorgen. Sie haben Schwierigkeiten in der Schule und im Kindergarten.

 

Und wie sieht es in mir aus? Ich weine keine Träne, aber in mir ist alles wund vom Weinen. Vor diesen vier Kindern hatte ich eine Abtreibung. Ich war damals jung, vielleicht 19. Meine Eltern hatten beschlossen, dass ich abtreiben soll. Ich konnte mich nicht wehren. Mein Freund erfuhr gar nicht davon. Als ich von der Narkose erwachte, weinte ich! Ich stürzte mich in meine Ausbildung und lernte und lernte. Innerlich zerriss es mich.

 
Ich habe dann schnell einen Mann geheiratet und drei Kinder bekommen. Das ging nicht gut. Wir trennten uns. Das vierte Kind habe ich von einem anderen Mann. Ich kann morgens kaum aufstehen und nachts nicht schlafen. Meine Eltern, die in der Nähe wohnen, helfen viel.

 
Wenn ich zurück blicke, sehe ich mich als kleines Mädchen. Auch damals habe ich mich schon gefühlt, als sei etwas falsch. Mit zehn Jahren missbrauchte mich mein Onkel. Keiner stand zu mir! Neulich erzählte mir meine Mutter, dass sie, als ich zwei Jahre alt war, ein Kind abgetrieben hat. Das war entweder meine Schwester oder mein Bruder. Bin ich schon deshalb immerzu traurig, weil mir mein Geschwisterchen fehlt?

 

Inzwischen habe ich schon zwei Therapien gemacht. Aber wirklich besser geht es mir nicht!

Paula:

Auf einer Familienfeier ereilte es mich wieder. Ich musste plötzlich anfangen zu weinen. Was war passiert?

 

Eigentlich war ich selbst schuld. Ich fragte meine Verwandte, welche das zweite Kind erwartete, ob sie sich noch ein drittes Kind vorstellen könnte. Sie erwiderte ahnungslos: „Natürlich! Wir nehmen es so, wie es kommt.“ Das traf mich mitten ins Herz! Meine Tränen kullerten und alle in meiner Nähe schauten mich erstaunt an. Sie ahnten nicht, was gerade in mir vorging.

 

Vor langer Zeit hatte ich mein drittes Kind abtreiben lassen. Meine beiden anderen Kinder waren damals sehr klein, mein Mann weit weg beim Studium. Keiner griff mir unter die Arme. Ich fühlte mich einfach überfordert! Meinem Mann erzählte ich damals nichts von der Schwangerschaft und von meinem Entschluss, denn ich wollte ihn nicht belasten. Er sollte den Kopf frei haben für das Studium.

 

Wir bekamen später noch ein Kind, aber es überkam mich eine tiefe Traurigkeit. Jedesmal, wenn einer das dritte Kind erwartet, kann ich mich nicht mitfreuen. Es ist eine Qual für mich, das zu hören! Mein Sohn hat drei Kinder und immer, wenn meine Enkelkinder zu Besuch sind, bilde ich mir ein, das dritte Kind schaut mich skeptisch und fragend an. So, als wolle es wissen: Warum hast du das getan?


Zum Verrückt werden! Wann hört das endlich auf? Werde ich jemals Frieden finden?